Diskussion um verstärkte Berufsorientierung in der Schule / SPD-Landtagsabgeordnete besuchten Haupt- und Realschule Loxstedt

Hrs Loxstedt

(von links): Daniela Behrens (MdL), Schulleiterin Ursula Prell-Wellm sowie Frauke Heiligenstadt (MdL).

 

Die aktuelle Situation und die Änderungen an den Lehrplänen standen im Mittelpunkt des Besuchs an der Haupt- und Realschule in Loxstedt. Die örtliche Landtagsabgeordnete Daniela Behrens war zusammen mit der bildungspolitischen Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion Frauke Heiligenstadt zum Fachgespräch mit Schulleiterin Ursula Prell-Wellm gekommen. „Die Schule macht einen tollen Eindruck“, lobte Heiligenstadt die Einrichtung. Die innovativen Projekte, das Nachmittagsangebot der Ganztagsschule, die Mitarbeit der Schüler und das gepflegte Erscheinungsbild beeindruckten.

Heiligenstadt und Behrens wollten vor allem über die neuesten Erlassentwürfe zur Arbeit in den Haupt- und Realschulen diskutieren. Die von der Landesregierung erarbeiteten Entwürfe stellen die Berufsorientierung in der Hauptschule und die Schwerpunktbildung in der Realschule in den Mittelpunkt. Die Haupt- und Realschule Loxstedt hat bereits viel Erfahrung in der Vorbereitung ihrer Schüler auf den Berufsalltag. So ist die Schule zertifiziert mit dem Prädikat „Pro-BerufsOrientierung“ und verfügt über ein festes Partner-Netz von Unternehmen. Die Hauptschule besuchen derzeit 147 Schüler, die Realschule 468 Schüler. Die Unterrichtsversorgung ist sehr gut, lobte die Schulleiterin.

Ursula Prell-Wellm sieht bei der angestrebten Zusammenarbeit mit Betrieben und der Berufsbildenden Schule die Gefahr, dass schwachen Hauptschülern das Erlernen von sozialen Kompetenzen und das Einüben von Regeln erschwert wird. Man brauche feste Bezugspersonen. Sie wünschte sich daher eine Qualifizierung von Betrieben, damit dort Hauptschüler vernünftig gefördert werden können. Außerdem sollten Berufsschullehrer fest mit dem Schulalltag an der Hauptschule verankert sein und dort auch mitarbeiten. Wichtig ist Prell-Wellm, dass weiterhin an der Hauptschule ein Realschulabschluss und ein erweiterter Realschulabschluss erreicht werden kann. Nur so lasse sich die Akzeptanz der Hauptschule sichern.

Kritisch sieht Prell-Wellm die hohe Anzahl der Praxistage an der Realschule, die indirekt eine Kürzung der Stundentafel bedeute. Sie befürwortet den verstärkten Wahlpflichtunterricht, wünscht sich aber, weitere Schwerpunkte anbieten zu können. So bemängelte die Schulleiterin, dass Kunst und Musik vernachlässigt würden. Auch Medien würden nicht im Wahlpflichtbereich berücksichtigt. Doch Kunst/Musik sowie Informatik/Medienerziehung würden gerade den Kompetenzen der Realschüler zu gute kommen. An der Realschule führe man zudem vielversprechende Projekte im Bereich der Medienbildung und Mediengestaltung. So läuft gerade ein Projekt mit der Gewürzmühle in Nesse, bei dem die Schüler selbstständig eine Werbekampagne auf die Beine stellen. „Hier wird Mediengestaltung aktiv erprobt, und die Ergebnisse sind fantastisch“, findet Daniela Behrens, bei der Besichtigung der ersten Palaktentwürfe der Schüler.

Insgesamt wünscht sich die Schulleiterin nicht so stark differenzierte Lehrpläne. Sie schränkten die Durchlässigkeit zwischen Haupt- und Realschule stark ein. Auch der Wechsel zur gymnasialen Oberstufe könnte schwieriger werden

Die Befürchtung teilten die SPD-Politikerinnen. Frauke Heiligenstadt sieht mit der verstärkten Berufsorientierung an Haupt- und Realschulen, wie in den jüngsten Erlassen vorgesehen, eine Beeinträchtigung der Durchlässigkeit der einzelnen Schulformen. „Der Wechsel von einer Haupt- auf eine Realschule oder von einer Realschule zum Gymnasium wird damit deutlich erschwert. Die Lehrpläne sowie das Niveau entwickeln sich weit auseinander“, so die Schulexpertin. Sie merkte zudem an, dass es schwierig werden könnte, genügend Praktikumsstellen zu finden, um jedem Schüler die geplanten 40 Tage Praktika zu ermöglichen. „Gerade im ländlichen Gebiet ohne große Unternehmen kann dies zu Problemen führen“, meint auch Behrens.

Behrens und Heiligenstadt versprachen, sich dafür einzusetzen, dass es den Schulen ermöglicht werden soll, eigene Schwerpunkte im Wahlpflichtbereich zu setzen. Auch den Wunsch der Schulleiterin, die Klassengrößen auf 20 an der Hauptschule und 25 an der Realschule zu verringern, nahmen die Landespolitikerinnen gern auf.