Heiligenstadt: Wir brauchen weitere Reformen im Bildungssystem

 

Das gegliederte Schulsystem in Niedersachsen ist akut in seinem Bestand bedroht. Sechs von zehn Hauptschulen unterschreiten die vom Land festgesetzte Mindestgröße von zwei Parallelklassen pro Schuljahrgang. Das hat jetzt eine Anfrage der SPD-Fraktion an die Landesregierung ergeben. „Angesichts dieser Entwicklung ist es unbegreiflich, dass die Landesregierung weiter krampfhaft am dreigliedrigen Schulsystem festhält und den zukunftsweisenden Gesamtschulen möglichst viele Steine in den Weg legt“, sagte die bildungspolitische Sprecherin Frauke Heiligenstadt.

„Während die Landesregierung alles dafür tut, die Hauptschulen bei sinkenden Schülerzahlen auch mit weniger als zwei Parallelklassen pro Schuljahr künstlich am Leben zu erhalten, müssen neu zu gründende Integrierte Gesamtschulen ausnahmslos mindestens fünf Parallelklassen vorweisen. Das belegt, dass CDU und FDP den kommunalen Schulträgern die Neuerrichtung von Gesamtschulen nachhaltig erschweren wollen.“

Die Forderung der SPD-Fraktion nach mehr Gesamtschulen trifft offensichtlich den Nerv der meisten Eltern. Laut einer bundesweiten Emnid-Umfrage im Auftrag der Bertelsmann- Stiftung meinen die Mehrheit der Befragten und fast 60 Prozent der Eltern, dass alle Kinder eher faire Chancen hätten, wenn sie möglichst lange gemeinsam unterrichtet werden. „Die Studie belegt eindeutig, dass wir das gegliederte Schulsystem reformieren sowie den raschen Ausbau der Ganztagsschulen und eine bessere Integration von Kindern mit Migrationshintergrund in Angriff nehmen müssen“, sagte die schulpolitische Sprecherin Frauke Heiligenstadt.

Die Kleine Anfrage des SPD-Landtagsfraktion zum Thema „Unterschreiten der Mindestgröße von Schulen“ vom 6.8.2008 brachte folgende Zahlen ans Licht: Bei den Hauptschulen unterschreiten nicht weniger als 61,7 Prozent die vorgeschriebene Mindestgröße von zwei Zügen, in 5,4 Prozent der Hauptschule muss sogar jahrgangsübergreifender Unterricht („Kombiklassen“) erteilt werden. Bei den Realschulen werden 16,1 Prozent nicht mindestens zweizügig geführt. Jede fünfte der zusammengefassten Haupt- und Realschulen bleibt unter der Dreizügigkeit.


Die Statistik besagt, dass der Anteil der Hauptschüler im 5. Schuljahrgang immer weiter fällt, von 17,9 Prozent im Jahr 2004 auf 14,6 Prozent im Schuljahr 2006/07 und in diesem Schuljahr noch mal auf 13,2 Prozent. Die Anmeldungen zur Realschule steigen nur leicht, während sie im gleichen Zeitraum bei den Gymnasien explodieren und von 40,5 Prozent im Jahr 2004 auf 42,7 Prozent im Jahr 2006/07 und aktuell sogar auf 44,0 Prozent gestiegen sind.

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