771 Ganztagsschulen sind eklatant unterversorgt

 

Anlässlich des (heutigen) Pressetermins von Ministerpräsident David McAllister und Kultusminister Bernd Althusmann in der Heinrich-Heller-Hauptschule in Isernhagen (Region Hannover) zur „Eröffnung der 1000. Ganztagsschule“ erklärt die stellvertretende Vorsitzende und schulpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Niedersächsischen Landtag, Frauke Heiligenstadt:

Es ist für mich unerklärlich, wie Ministerpräsident und Kultusminister bei dieser Veranstaltung auftreten können, ohne Rot zu werden. Zu einem Jubiläum bringt man traditionell Geschenke mit und nicht nur einen leeren Händedruck. Das ist doch so, als feiere man das 1000. neue Superauto, das vom Band läuft, aber 700 davon haben keinen Motor.


Nach Angaben des Kultusministeriums gibt es 1178 laufende beziehungsweise genehmigte Ganztagsschulen in Niedersachsen. Von denen sind aber lediglich 361 Schulen vollständig mit Lehrerstunden ausgestattet. 771 erhalten nur einen begrenzten Zuschlag. Die übrigen 46 Schulen mit Ganztagsbetrieb sind für Kinder mit besonderem Förderungs- und Betreuungsbedarf.


Die 771 Ganztagsschulen-Light erhalten lediglich eine Grundausstattung als Budget und zwar ausschließlich an Grundschulen für die Jahrgänge 3 und 4 und an weiterführenden Schulen für die Jahrgänge 5 und 6. Pro Klasse gibt es je 2,5 Lehrerstunden mehr. Der Satz für eine budgetierte Lehrerjahresstunde beträgt 1.760 Euro.


Mit einer solchen Minimalausstattung ist kein vernünftiger Ganztagsbetrieb für die Schülerinnen und Schüler möglich. Das ist eher eine Halbtagsschule mit ein bisschen Freizeitangebot am Nachmittag. Das ist aber kein qualitativ gutes Bildungsangebot am Nachmittag mit verpflichtendem Fachunterricht.


Wegen dieser Minimalausstattung sind die unterversorgten Ganztagsschulen gezwungen, für die Nachmittagsstunden auf welche Weise auch immer Honorarkräfte zu beschäftigen. Das hat in der Vergangenheit in einigen Fällen zu Beschäftigungsverhältnissen geführt, die jenseits der Legalität waren. Grundsätzlich kann man davon sprechen, dass diese Honorarkräfte in prekären Beschäftigungsverhältnissen stecken. Die Folgen sind Regressforderungen der Sozialversicherer, Panikentlassungen von Honorarkräften und teilweise unzumutbare Arbeitsbedingungen der nachmittags eingesetzten Kräfte.


Wer die Bildung zur Schlüsselaufgabe unserer Gesellschaft ausruft, muss entsprechend handeln. Wir wollen mehr Ganztagsschulen im Land, aber diese Einrichtungen müssen diesen Namen auch verdienen. Ministerpräsident McAllister und Minister Althusmann wollen heute die Inszenierung. Aber nach dem Ende ihrer feierlichen und bedeutungsschweren Reden, wenden sie der Heinrich-Heller-Schule und den anderen 770 Ganztagsschulen-Light auch im übertragenen Sinne wieder den Rücken zu.“